Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen in der IT-Branche Options
von
tonja vom
28.11.2019 - 196 Hits -
Die Elektronikindustrie verbraucht einen immer größeren Anteil der wertvollen Metalle der Welt, aber die Markenfirmen übernehmen bisher kaum Verantwortung für die Sozial- und Umweltbedingungen bei der Förderung der Rohstoffe für ihre Produkte der Informationstechnik (IT). Das neue europäische Netzwerk makeITfair hat in zwei heute veröffentlichten Studien aufgedeckt, dass bei der Rohstoffförderung häufig Menschenrechte verletzt werden und Umweltprobleme entstehen. So wird das Kobalt für Batterien in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) häufig von Kindern abgebaut, in Südafrika sind ganze Dörfer zwangsumgesiedelt worden, um Platin für die Computerindustrie zu fördern. makeITfair fordert Unternehmen wie Hewlett-Packard, Nokia, Philips und Sony auf, sich um die sozialen und ökologischen Risiken zu kümmern, die mit der Förderung von Metallen verbunden sind.
“Die Elektronikindustrie ist ein wichtiger Abnehmer von vielen Metallen, die häufig in risikoreichen Ländern wie China, Russland oder verschiedenen afrikanischen Staaten abgebaut werden. Aber bislang setzt sich die Elektronikindustrie kaum mit ihrer Verantwortung für die Rohstoffe in ihren Produkten auseinander. Die IT-Firmen müssen nachverfolgen, wo diese Metalle abgebaut werden und dort faire Abbaubedingungen bewirken”, fordert Cornelia Heydenreich von Germanwatch, einer der beiden deutschen Trägerorganisationen von makeITfair.
Eine neue Studie von SwedWatch, einer schwedischen Partnerorganisation von makeITfair, zeigt, dass ungefähr ein Viertel des weltweit geförderten Kobalts in IT-Produkten verarbeitet wird. Es wird für Mobiltelefone, Laptops, Camcorder, Digitalkameras, MP3-Player und Elektronikspiele gebraucht. Mehr als die Hälfte des weltweiten Kobalts stammt aus Sambia und der DR Kongo, wo schätzungsweise 50.000 Kinder in den Minen von Katanga arbeiten. Dort ist etwa jeder dritte Bergarbeiter noch ein Kind oder Jugendlicher, manche von ihnen sind erst sieben Jahre alt. Anwohner klagen über den Verlust ihrer Lebensgrundlagen und über Umweltverschmutzungen, die ernsthafte Gesundheitsprobleme verursachen. Unter den Umweltschäden durch Abgase und Abwässer werden noch mehrere Generationen zu leiden haben. In Sambia gab es allein im Jahr 2005 achtzig tödliche Minenunglücke. Die Minenarbeiter führen ein sehr riskantes und ungesundes Leben: Sie arbeiten ohne Schutzkleidung und müssen den Mineralstaub einatmen, der zu Lungenschäden und Augenproblemen führt.
Anglo Platinum, die weltweit größte Platinfirma, fördert in Südafrika Platin und Palladium, die für Computerfestplatten, Handys und Flachbild-Fernseher gebraucht werden. Eine neue Studie der niederländischen Organisation SOMO legt offen, dass diese Firma 17.000 Menschen zwingt, ihr angestammtes Land zu verlassen. Dort sollen Minen erschlossen werden, um Platin für die Computerindustrie zu fördern. Die Gemeinden erhalten keine angemessene Entschädigung.
Die Löhne im Platinabbau decken häufig nicht einmal die Grundbedürfnisse, insbesondere nicht bei der wachsenden Anzahl von Leiharbeitern in diesem Sektor. „Vierzig Prozent der Bergleute, die wir während unserer Recherchen getroffen haben, sind Leiharbeiter. Sie haben nur wenige Rechte und verdienen wesentlich weniger als andere Arbeiter. Oft müssen sie die gefährlichsten Aufgaben verrichten und erhalten dafür nur sehr unzureichende Sicherheitstrainings“, empört sich Esther de Haan von SOMO.
“Solange noch keine verantwortlich produzierten Alternativen angeboten werden, können die Verbraucher nur versuchen, die Hersteller unter Druck zu setzen, endlich tätig zu werden. Das sollten sie aber auch mit hartnäckigem Nachfragen tun“, sagt Volkmar Lübke von der Verbraucher Initiative, die die Kampagne in Deutschland mitträgt. makeITfair ruft besonders jugendliche Verbraucher auf, sich mit einer E-Mail an die größten Markenfirmen zu wenden. Die E-Mail-Aktion inklusive Briefentwurf gibt es auf der Website von makeITfair.
Die vollständigen Berichte und weitere Informationen gibt es auf der internationalen Plattform
http://www.makeitfair.org sowie in deutscher Sprache unter
http://www.germanwatch.org/makeitfair.htm.