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Fragevon derpfleger vom 19.11.2019, 18:23 Options

Gratulation an die finnischen Pflegekräfte !

Hoch gepokert und gewonnen!
http://www.yle.fi/news/id75379.html


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Antwort 1 von ANZEIGE vom 19.11.2019, 19:13 Options

kann mir mal jemand verraten worum es da geht!


  • *Threadedit* 19:14:58
    Admininfo: Bitte achte auf das geltende Urheberrecht, welches nach §63 UrHG Quellangaben für kopierte Texte und Textpassagen vorschreibt. Siehe FAQ 5.
  • Antwort 2 von derpfleger vom 19.11.2019, 19:40 Options

    Finnische Pflegekräfte werden gemessen am finnischen Durchschnittslohn relativ schlecht bezahlt. Zahlreiche "normale" Streiks wurden nie beachtet (wie halt auch in Deutschland wenn das Pflegepersonal streikt).
    Im Gegensatz zu deutschen Pflegekräften sind die Finnen aber stark gewerkschaftlich organisiert.
    Die Gewerkschaft Tehy hat nun der Regierung das Messer auf die Brust gesetzt: wenn es keine drastischen Lohnerhöhungen (um 24%) gibt (die so ähnlich bei der letzten Wahl auch versprochen aber nie umgesetzt wurden), werden die Gewerkschaftsmitglieder allesamt zum 19.11. (heute) kündigen. Die veröffentlichten Zahlen schwanken zw. 12800 und 16000 Kündigungen, und das bei ca 32000 Pflegekräften insgesamt in Finnland. Es hätten also ab heute Nacht 24:00 Uhr ca 1/3 bis 1/2 aller finnischen Pflegekräfte gefehlt. Die finnische Regierung hat letzten Freitag kurzfristig ein Gesetz erlassen, wonach ein Teil der kündigenden Pflegekräfte bei Strafandrohung zum Dienst trotz Kündigung gezwungen und notfalls per Polizei zur Arbeit geschleppt worden wäre. Harter Tobak.
    Die Pflegekräfte blieben hart. Zahlreiche andere Gewerkschaften und Organisationen europaweit hatten sich mit den Pflegekräften solidarisiert, und versprachen Hilfen bei Strafverfahren.

    Das Ende vom Lied: Heute wurde in letzter Minute ein Kompromiss erreicht, der nahezu alle Forderungen der Pflegegewerkschaft erfüllt hatte.

    Und das allerhärteste dabei: Die deutsche Presse hat sich diesem Thema nahezu vollständig verweigert. Man hört und liest praktisch nichts zu diesem Thema. Da schwingt wohl eine kollektive Angst mit, die GDL könnte es den finnischen Pflegekräften nachmachen.
    Die Situation in Finnland hatte ähnliche Voraussetzungen: 2 Pflegegewerkschaften, wobei die eine sich auf niedrigerem Niveau mit der Regierung geeinigt hatte, und eine weiter (Tehy), die sich nicht unterkriegen lies und ihre Forderungen mit dieser Androhung der Massenkündigung nun durchgesetzt hat.

    Reicht das als Info?

    Es gibt aktuell noch keine deutsche Presse, die dieses Theam aufgreift, daher der link zur englischsprachigen Seite einer finnischen Nachrichtenseite.
    Erste deutschsprachige Quelle: der Kurier aus Wien:http://www.kurier.at/nachrichten/wirtschaft/122075.php

    Antwort 3 von derpfleger vom 19.11.2019, 19:44 Options

    OK, mittlerweile hat sich auch der Spiegel herabgelassen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,518258,00.html

    Aber hat irgendjemand was zu diesem Thema in irgendwelchen Fernsehnachrichten gehört (ich weiss nur von Euronews).?

    Antwort 4 von ANZEIGE vom 19.11.2019, 19:51 Options

    OK OK HERR ADMIN ;-)))

    Zitat:


    Nurses and Local Authorities Accept Pay Deal Krankenschwestern und lokalen Behörden akzeptieren Pay Deal
    Published 19.11.2007, 17.06 (updated 19.11.2007, 19.47) Veröffentlicht 19.11.2007, 17.06 (Stand 19.11.2007, 19,47)
    Image: YLE Bild: YLE

    The General Council of the Tehy, the Union of Health and Social Care Professionals, has unanimously approved a negotiated pay deal reached late Sunday. Der Allgemeine Rat der Sie, die Union für Gesundheit und Soziale Care Professionals, hat einstimmig eine Verhandlungslösung zahlen viel erreicht späten Sonntag.

    The Commission for Local Authority Employers, or KT, has also given its unanimous approval to the contract, thereby averting industrial action in which about 12,000 nurses threatened to start a mass resignation campaign. Die Kommission für die örtliche Behörde für Arbeitgeber, oder KT, hat auch seine einhellige Zustimmung zu dem Vertrag, und damit zur Abwendung von Arbeitskämpfen, in denen rund 12000 Krankenschwestern bedroht zu Beginn einer Masse Rücktritt Kampagne.

    The four-year contract gives Tehy members pay increases of 22 to 28 percent over the next four years. Die vier Jahre gibt sie Mitglieder Lohnerhöhungen von 22 bis 28 Prozent in den nächsten vier Jahren. They will also get a Chrismas bonus of EUR 270. Sie erhalten auch ein Weihnacht in Höhe von EUR 270.

    Employers Say Deal Was Expensive Arbeitgeber sagen Deal war teuer

    The municipal employers say that the deal is expensive, and estimates that one in four local authorities will have to raise their income tax levels to pay for the pay hike. Die kommunalen Arbeitgeber sagen, dass die Behandlung ist teuer, und geht davon aus, dass ein in vier lokalen Behörden haben zur Erhöhung ihres Einkommens Steuern zu zahlen für die Wanderung zahlen. Municipal service fees are also expected to rise. Kommunale Dienstleistungen Gebühren sind ebenfalls mit steigender Tendenz.

    Minister of Social Services Paula Risikko welcomes the pay deal and feels that it is in the interest of all Finns that a settlement was reached. Minister für Soziale Dienste Paula Risikko begrüßt die zahlen, und sie fühlt, dass es im Interesse aller Finnen, dass eine Lösung erreicht wurde.

    Risikko says that it is now important to get operations of hospitals back to normal. Risikko sagt, dass es jetzt wichtig, um Operationen von Krankenhäusern wieder normal. Hospitals had been making preparations for a possible mass walkout by nurses. Krankenhäuser wurden die Vorbereitungen für eine mögliche Masse Streik von Krankenschwestern. Now Risikko feels that this is important both for the patients and for the work atmosphere at the hospitals. Jetzt Risikko der Ansicht, dass dies ist wichtig, sowohl für die Patienten und für die Arbeit in den Krankenhäusern Atmosphäre.

    Hospitals will have to deal with a backlog of surgery and other procedures built up during preparations made by the hospitals for the mass resignation, and because of overtime bans imposed by Tehy. Krankenhäuser müssen sich mit einem Rückstand von Chirurgie und anderen Verfahren aufgebaut während der Vorbereitungen, die von den Krankenhäusern für den Massenmarkt Rücktritt, und weil Verbote von Überstunden, die durch Sie.

    YLE YLE
    QUELLE

    Antwort 5 von derpfleger vom 19.11.2019, 20:05 Options

    Mann ANZEIGE, da hast du aber den google-Übersetzer ganz schön heisslaufen lassen :-))

    Antwort 6 von ANZEIGE vom 19.11.2019, 20:10 Options

    ja ja und für diese erkenntnis musste ich jetzt die quellangabe machen ;-)))))))

    Antwort 7 von derpfleger vom 19.11.2019, 21:18 Options

    Das Subject des Threads hätte ich besser "Zensur in der deutschen Presse?" nennen sollen.

    Antwort 8 von roko vom 20.11.2019, 09:43 Options

    Pfleger,

    warum Zensur?

    Pressefreiheit, wie wir sie hier in Deutschland verstehen, meint nicht über alles berichten zu müssen, sondern über alles berichten zu dürfen.

    Nur weil es gerade opportun ist, und Du es zufällig gelesen hast, musst Du aus dieser Meldung ja nicht gleich die große Welle machen.

    Oder hast Du etwa Manfred Schell schon einen Tipp Richtung Finnland gegeben?

    Übrigens hätte ich mir gewünscht, dass die Pflegekräfte tatsächlich mal gekündigt hätten, und von heut auf morgen ohne einen Cent auf der Straße gesessen hätten.
    Ironie dabei; man hätte sich ja gegenseitig die verletzte Seele "pflegen" können.

    Spaß beiseite.

    In meinen Augen ist das reine Erpressung, und hat mit "Streikkultur", wie wir sie schon seit der Weimarer Republik kennen, nichts zu tun.

    Streiken ja, ... Erpressung nein.

    Auch die GdL wird von ihrem hohen Ross (31%) runtersteigen müssen, wahrscheinlich trifft man sich irgendwo bei 10%.
    Ich könnte mir aber im Leben nicht vorstellen, dass die "Deutsche Bahn" sich erpressen ließe, bzw. die GdL es in Erwägung ziehen würde.

    Auf diese finnischen Zustände möchte ich hier in Deutschland gerne verzichten wollen.


    Ich hoffe ja nicht, dass es bei uns mal zu solchen Szenen kommt.



    mfg / Rolf

    Antwort 9 von derpfleger vom 20.11.2019, 12:40 Options

    Das Problem beim Streikrecht ist ja, dass es für Pflegepersonal quasi nicht existiert. Streiken kann ich so viel ich will in meiner Freizeit, da lacht mein Arbeitgeber aber nur und die Presse verweigert sich diesen Streiks aktiv. Ich habe in den letzten Jahren an mehreren Streiks des Pflegepersonales teilgenommen, keiner dieser Streiks hat es auch nur bis in den Lokalteil geschafft. Man wird einfach nicht wahrgenommen. Und ein Streik, der den Arbeitgeber nicht unter einen gewissen Druck setzen kann, wird nie etwas bringen. Da ich aber die Grundversorgung immer aufrechterhalten muss, und der Personalschlüssel bereits auf diesem Niveau liegt (und oftmals darunter), kann man einfach nichts erreichen.
    Was die finnischen Pflegekräfte gemacht haben war ein reiner Verzweiflungsschritt. Nur auf diesem Weg konnten sie erstmals Druck ausüben um die seit langem bestehenden Ungerechtigkeiten in der Entlohnung und den Arbeitsbedingungen aktiv anzugehen.
    Ich würde mir für Deutschland einen ähnlich hohen Organisationsgrad der Pflegekräfte wünschen, dann könnte man endlich etwas erreichen.

    Du wirst das Problem am eigenen Leib spüren, wenn sich die Verhältnisse weiter so entwickeln.
    Man darf heutzutage schon nicht mehr alt werden und auf Pflege angewiesen sein, denn die Zustände in der Altenpflege sind heute schon oftmals menschenunwürdig. Die Zustände in den Krankenhäusern entwickeln sich ähnlich dramatisch. Wenn ich nur die Situation auf meiner Intensivstation bedenke: hier wurden in den vergangenen 10 Jahren 20 Vollzeitstellen abgebaut (von ehemals 76), der Arbeitsaufwand ist in diesem Zeitraum aber noch deutlich gestiegen, bedingt vor allem durch die zunehmende Schwere der Krankheitsbilder, die behandelt werden. Wo soll das bitteschön hinführen? Du darfst dir schon heute sicher sein: das Krankenhaus ist kein sicherer Ort mehr.

    Es wäre schön, wenn die Bevölkerung dieses Problem endlich als ihr eigenes Problem wahrnähme und das Pflegepersonal entsprechend unterstützen würde. Dabei spielen zunächst einmal gar nicht Forderungen nach mehr Gehalt eine Rolle.
    Die wichtigste Forderung wäre die Definierung von Vorbehaltsaufgaben, die Abrechenbarkeit von Pflegeleistungen und die Aufstockung des Personales.

    Mach dir ruhig mal ein paar Gedanken dazu, es ist auch deine Zukunft, die hier gerade auf dem Spiel steht...

    Gruß derpfleger

    Antwort 10 von Arno_Nym vom 20.11.2019, 14:53 Options

    Zitat:
    In meinen Augen ist das reine Erpressung, und hat mit "Streikkultur", wie wir sie schon seit der Weimarer Republik kennen, nichts zu tun.

    Was ist denn, bitteschön, "Streikkultur"? Ein Streik, der niemandem wehtut?
    Am besten natürlich nicht den "Führungskräften", die sich ihre fetten Gehaltserhöhungen selbstverständlich ohne jeden Streik selbst zuschanzen können.
    Siehe z.B.:
    http://www.focus.de/finanzen/news/bahn-vorstand_aid_117429.html

    Hmm, nun ja, gemessen an den äußerst zurückhaltenden Gehaltssteigerungen in der Management-Etage der Bahn AG sind 30% bei den Lokführern natürlich mehr als unverschämt.
    Und angesichts ständig sinkendender Lebenshaltungskosten (Energie und Mieten waren doch so billig wie noch nie, oder?) könnten die gierigen Arbeitnehmer doch endlich mal etwas Zurückhaltung üben.

    Wir ALLE (wer ist in diesem Zusammenhang "Alle"?) sollten doch mal (zum wievielten Mal eigentlich?) den Gürtel enger schnallen. Sonst machen wir noch den schönen Aufschwung kaputt!!!

    Wer Sarkasmus oder Ironie findet, kann sie weiterverwenden.

    Arno

    Antwort 11 von derpfleger vom 20.11.2019, 15:17 Options

    Kleiner TV-Beitrag zum Thema Personalknappheit (aus der ZDF-Mediathek):

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/360418

    Antwort 12 von snliebhaber vom 20.11.2019, 15:46 Options

    @derpfleger,
    nenn was du monatlich netto verdienst und dann diskutieren wir weiter ob dein Gehalt gerecht ist oder nicht.
    Was woanders verdient oder nicht verdient wird, ist so was von egal.
    Und aufgepasst: so eine Kündigung könnte auch nach hinten losgehen. Vllt wäre der eine oder andere Pfleger danach wirklich ohne Job.

    Antwort 13 von derpfleger vom 20.11.2019, 16:55 Options

    @snliebhaber:
    Du liest nicht sehr aufmerksam, was?
    Ich zitiere mich mal selbst:
    Zitat:
    Dabei spielen zunächst einmal gar nicht Forderungen nach mehr Gehalt eine Rolle.

    Eine Gehaltserhöhungsforderung ist nachrangig, viel wichtiger wäre die Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

    Was der Pflege in Deutschland fehlt, ist vor allem ein klar definiertes Aufgabengebiet und eine entsprechende Möglichkeit, diese Aufgaben auch gegenüber den Kassen abrechnen zu können.

    Pflege wird in diesem Land nur als Anhängsel des Arztberufes gesehen.Alles was wir leisten muß mit entsprechenden Arztleistungen, die gegenüber der Kasse auch abgerechnet werden können, verbucht werden. Daher sind in den letzten Jahren auch die Arztstellen kontinuierlich gestiegen (was durchaus sinnvoll war) und Pflegestellen kontinuierlich abgebaut worden (was zu Lasten der Patientensicherheit und zu Lasten der Gesundheit der Pflegenden geht).

    Zum Thema "gerecht":
    Wo würdest du denn die Grenze ziehen, was ist eine gerechte Entlohnung?

    Diese Frage zu diskutieren führt ganz schnell in den Bereich, in dem sich gerade auch die GDLer befinden.
    Als Pfleger wünsche ich mir auch einen eigenen Tarifvertrag der unabhängig ist vom Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, bzw. unabhängig von zB der Entlohnung der Verwaltungsangestellten eines nicht-tariflich gebundenen Krankenhauses.
    Irgendwo sollte sich meiner Meinung nach durchaus auch in der Lohnhöhe wiederspiegeln welch teilw. hohe Verantwortung man als Pflegekraft täglich trägt und welch gesundheitliche Belastung man durch den permanenten Schichtwechsel auf sich nimmt. Wer früh, früh, früh, fri, nach, nacht, nacht, frei, frei, spät, spät, zwischen, früh usw... arbeitet, der wird dabei nicht alt. Ein Arbeiten bis zur Rente ist unter diesen bedingungen nicht möglich. Ich muß also bereits zu Lebzeiten, solange ich einigermassen jung bin, genug verdienen, um mir eine Zusatzrente zu erwirtschaften. Ansonsten ist das System nicht tragbar.

    Ich bin mir durchaus bewußt, dass es in der heutigen Zeit jede Menge Branchen gibt, die hoffnungslos unterbezahlt sind, und es gibt Berufe, die genauso belastend sind (ich denke da nur an die KIndergärtnerinnen zB). Es gibt jede Menge weitere Berufe, die man niemals bis zur Rente durchziehen kann. Von daher wäre in diesem Land wohl langsam eine Revolte nötig, um mal ein bißchen umzuverteilen.

    Den finnischen Kolleginnen und Kollegen gönne ich hingegen jeden Euro. Und nebenbei bemerkt: sie hatten selbst am Schluss, als es ganz nach der Vollendung der Massenkündigung aussah, eine breite Unterstützung von 62% durch die Bevölkerung.
    Wenn ich mir allerdings dein statement ansehe bezweifle ich stark, daß man in unserem Land eine ähnlich breite Unterstützung erwarten dürfte...

    derpfleger

    Antwort 14 von snliebhaber vom 20.11.2019, 17:27 Options

    Nein, von mir gäbe es diese Unterstützung nicht.
    Ich kenne Pflegekräfte vor denen ich meine Angehörigen ggffs.schützen würde.
    Mehr sag ich nicht dazu.

    Antwort 15 von roko vom 20.11.2019, 18:46 Options

    @Arno_Nym,

    ich schrieb :
    Zitat:
    In meinen Augen ist das reine Erpressung, und hat mit "Streikkultur", wie wir sie schon seit der Weimarer Republik kennen, nichts zu tun.

    Deine Frage :
    Zitat:
    Was ist denn, bitteschön, "Streikkultur"?

    Streikkultur meint, wenn man immer wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt, sich gegenseitig in die Augen schauen kann, und auf niveauvolle, intellektuelle, argumentative und konstruktive Gespräche hoffen darf, wobei es nicht zwingend zu einem Ergebnis kommen muss.
    Das Wort Kultur meint dabei vor allen Dingen, dass man sich gegenseitig achtet und respektiert.

    Streikkultur meint auf keinen Fall wilde Streiks, mit Streikposten vor den Toren einen Betrieb stilllegen, oder sogar im Extremfall einen Streik mit Gewalt niederschlagen.
    Alles schon dagewesen.


    @snliebhaber

    Zitat:
    Ich kenne Pflegekräfte vor denen ich meine Angehörigen ggffs.schützen würde.
    Mehr sag ich nicht dazu.

    Warum sagst Du nicht mehr dazu?
    Erzähl doch mal welche Erfahrungen Du gemacht hast.
    Was sind das für Pflegekräfte?
    Wo arbeiten sie? Im Pflege/Altenheim? Oder im Krankenhaus?
    Wär doch mal interessant über Deine Erfahrungen zu lesen.

    mfg / Rolf

    Antwort 16 von derpfleger vom 20.11.2019, 20:19 Options

    Zitat:
    Ich kenne Pflegekräfte vor denen ich meine Angehörigen ggffs.schützen würde.

    Die gibt es ohne Zweifel.
    Die Forderungen der Pflege gehen in diese Richtung: Aufbau einer Pflegekammer die Aus- und Weiterbildung und regelmässige, verpflichtende berufliche Fortbildung regelt, und dabei entsprechende Qualitätsstandards definiert. Wer sich den regelmässigen Fortbildungen entzieht, verliert die Erlaubnis seinen Beruf weiter auszuüben. In anderen europäischen Staaten schon immer der Normalfall.
    In Deutschland wird aber genau dieser Weg von Seiten der Politik bewußt abgelehnt. Eine Professionalisierung wird gar nicht gewünscht, Pflegekräfte sollen schön Befehlsempfänger der Ärzte bleiben, sollen schön doof gehalten werden.
    Mit diesem System erhälst du allerding genau jene inkompetenten Pflegekräfte, die du (und ich auch) wahrscheinlich gerne aus dem Beruf jagen würdest. Klappt leider nicht, ist alles so gewünscht.

    Damit wäre ich wieder bei meinem bereits geäußerten Wunsch:
    Zitat:
    Es wäre schön, wenn die Bevölkerung dieses Problem endlich als ihr eigenes Problem wahrnähme und das Pflegepersonal entsprechend unterstützen würde.


    Aber es ist ja sooo viel leichter, die Pflegekräfte als inkompetenten Haufen abzukanzeln und zu jammern. Eine Unterstützung findet nicht statt. Und aus den bereits angeführten Gründen (fehlende effektive Streikmöglichkeiten) wird das Pflegepersonal selbst kaum eine Veränderung erwirken können. Da müssen also die Zustände offensichtlich noch viel schlimmer werden. Schade nur, dass das bedeutet, dass dann Menschen sterben werden. Aber auch das scheint einkalkuliert zu sein. Ein toter alter Mensch ist einfach billiger als ein pflegebedürftiger... Die Rentenkassen sagen Danke.

    Antwort 17 von snliebhaber vom 21.11.2019, 08:36 Options

    @derpfleger,
    schön, daß es Bestrebungen gibt, Qualifizierungsmaßnahmen im Gesundheitswesen zwangsweise einzuführen.
    Alle über einen Kamm scheren möchte ich keinesfalls.
    Aber was ich in den letzten 30 Jahren so alles miterlebt habe, hat mich immer wieder gezwungen meine Nase (als Angehöriger!) in Fachliteratur zu stecken .
    Mein letztes Negativbeispiel war, daß ich im örtlichen Krankenhaus nach der Notoperation eines nahen Verwandten am OP-Tag dem diensthabenden Pflegepersonal mit rechtlichen Konsequenzen drohen mußte und auf sofortiges ERscheinen vom Anästhesisten und vom leitenden Chirurgen äusserst lautstark bestehen mußte Beide Ärzte erkannten die sich anbahnende, sagen wir mal, vermutlich lebensbedrohliche Situation auf einen Blick. Das Pflegepersonal war dazu nicht in der Lage.
    Kommentar vom Chef ein paar später: ... so wird man als Chef und das Haus seinen guten Ruf los. Ich weiß nicht, was ich noch machen soll, aber die Leute im Pflegedienst sind nicht mehr das was sie mal waren.
    Gut, daß es Angehörige, Mitpatienten gibt, die heutzutage informiert sind und nicht alles hinnehmen.

    Antwort 18 von derpfleger vom 21.11.2019, 12:22 Options

    @snliebhaber:
    Ich habe die Probleme erst kürzlich selbst am eigenen Leib erfahren als ich selbst operiert wurde. Da gab es offensichtlich ein schlichtes Übertragungsproblem von zuvor ausgemachten Anweisungen bzgl. der Medikation. Hätte ich das nicht selbst in die Hand genommen und auf diesen Umstand hingewiesen, so wäre alles untergegangen. Da es sich um eine ärztliche Anweisung drehte, hatte sich das Pflegepersonal auch nicht sonderlich zuständig gefühlt. Ich musste erst auf ein Arztgespräch bestehen bis die Medikation abgeändert wurde.
    Ist nicht wirklich optimal gelaufen.
    Allerdings kenne ich den Betrieb ja von innen heraus und kann mir schon ziemlich genau ausmalen, an welchen Schnittstellen die Fehler passieren. Qualitätsmanagement soll eigentlich dazu dienen, solche Problemfelder zu erkennen und abzuschaffen. Was aktuell im deutschen Gesundheitswesen allerdings als Qualitätsmanagement bezeichnet wird, verdient diesen Namen kaum. Das ist zum größten Teil nur Augenwischerei.
    Eine wirkliche Qualitätsverbesserung wird sogar bewußt unterlaufen: erst gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Kollegin aus einem anderen Haus, dort wurde intern besprochen, dass der Qualitätsstandard noch zu hoch sei und zu viel Kosten verursachen würde. Fazit des Ganzen: es werden nochmal 2 Pflegevollzeitstellen gestrichen. Kann das der richtige Weg sein?

    Wir alle müssen uns vor Augen halten, dass Qualität ihren Preis hat. Wer im Gesundheitssystem also nur ans Sparen denkt, der macht ganz bewußt Abstriche an der Qualität.

    Du hast deine negativen Erfahrungen jetzt schon gemacht. Denk mal darüber nach, wie sich das in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird.

    Mir graust ehrlich gesagt davor. Für mich wird dieser Beruf nicht mehr lange tragbar sein, denn ich bin jetzt schon oftmals an dem Punkt wo ich das, was mir überhaupt noch möglich ist, kaum noch mit meinem Gewissen vereinbaren kann.

    derpfleger

    Antwort 19 von snliebhaber vom 21.11.2019, 18:06 Options

    @derpfleger,
    ach weisst du, daß in vielen deutschen Pflegebetrieben nur hohe Kosten verursacht werden die in keinem Verhältnis zur Qualität stehen haben schon so viele Untersuchungen ergeben.
    Aber, es gibt auch Positivbeispiele. Unser örtliches Altenpflegeheim gehört dazu .

    Antwort 20 von derpfleger vom 22.11.2019, 18:04 Options

    Falls die Supportnetler ein gutes Werk tun wollen, hier eine Unterschriftenaktion zum Thema:

    http://www.pflege-uns-reichts.de/main.php

    Würde mich freuen, wenn ihr mitmacht, ist eine gute Sache...

    Gruß derpfleger

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