Gratis surfen: Ja – aber nicht in Deutschland Options
von
tonja vom
03.06.2019 - 209 Hits -
Was haben San Francisco, Sankt Gallen in der Schweiz und das niederländische Leiden gemeinsam? All diese Städte stellen ihren Bürgern einen kostenlosen Internet-Zugang zur Verfügung. Finanziert wird das Gratis-Web in der Regel durch smarte Kooperationen mit Sponsoren und Internet-Providern. Doch während die Idee vor allem in den USA immer mehr Nachahmer findet, tut sich hierzulande wenig bis gar nichts: Wie eine Umfrage des Technikmagazins Chip zeigt, halten die Verantwortlichen in Deutschlands großen Städten wenig von einem derartigen Bürgerservice.
Die Chip-Redakteure erkundigten sich bei den Stadtverwaltungen von Berlin, Hamburg, München und Frankfurt nach etwaigen Plänen für ein Gratis-Web. In der Banken-Metropole sieht man keinen Bedarf, wie der für den Internet-Bereich zuständige Sprecher Michael Schönhofen erklärt: „Der Magistrat hat festgelegt, dass die Versorgung nicht Aufgabe der öffentlichen Hand ist.“ Auch in München hält man ein kostenloses Hot-Spot-Netz für überflüssig. Man habe sich sogar konkret dagegen entschieden, sagt der Öffentlichkeits-Beauftragte Andreas Danassy.
In Berlin scheint man die Interessen der Bürger anders einzuschätzen: Dort bemüht sich die Stadt immerhin um ein Gratisangebot im Zentrum. Petra Schwarz, Sprecherin der zuständigen Senatsverwaltung: „Wir führen seit einem Jahr Gespräche mit Interessenten, um den Ausbau von flächendeckendem W-LAN innerhalb des S-Bahn-Rings voranzutreiben.“ Natürlich sei ein kostenloses Funknetz wünschenswert, allerdings sei es nicht vorstellbar, dass Berlin dafür eigene Mittel investiere. Laut Frau Schwarz hofft die hoch verschuldete Stadt auf private Investoren.
Diese Hoffnung hegte man lange Zeit auch in Hamburg. 2002 hatte Hamburg@Work, eine Initiative ansässiger Unternehmen und der Stadt das Projekt Hotspot-Hamburg gestartet. Das Ende kam nach drei Jahren, die rund 40 Gratis-Hotspots wurden privaten Anbietern übergeben. Offizielle Begründung: Die Initiative sei als Starthilfe für die Technologie zu verstehen gewesen. Nun gebe es genug kommerzielle Angebote - Wirtschaftshilfe statt Bürgerservice.
Dass die Gratis-Netze in Deutschland auf sich warten lassen, dürfte zumindest eine Gruppe freuen: Kritiker der flächendeckenden Funkstrahlung durch Mobilfunk- oder W-LAN-Anlagen. Gegenüber Chip gab Ulrich Gampl vom Bayerischen Landesamt für Umwelt allerdings Entwarnung: „Ein W-LAN-Router bewegt sich im gleichen Strahlungsbereich wie ein Babyphone. Die Leistung von Handys liegt zum Beispiel um bis zu einem Faktor 20 höher.“
Quelle: Chip 07/2007